Landung

Über der offenen Weite des Meeres grollen Dieselmotoren. Zwei Kriegsschiffe laufen in den Hafen von Lampedusa ein. Die Besatzung trägt weiße Schutzanzüge. Über einen schmalen Steg werden die Geflüchteten einzeln an Land gebracht. Viele der 200 Menschen, sind eingehüllt in goldene Rettungsdecken. Ich bin hier am Zaun mit einem Sänger, den ich zufällig getroffen habe. Er ist aus Berlin angereist. Zusammen mit einem Kameramann suchen sie nach Bildern für das ihr nächstes Musikvideo.

Die Afrikaner steigen in Busse und werden an uns vorbei gefahren. Nur kurz erkenne ich ein paar Gesichter. Ein paar Tage später besuche ich mit der Gruppe “Punti di Fuga” das Auffanglager. Früher war das mal eine Schule, die jetzt mit zwei Reihen Stacheldraht umzäunt ist. Wir hatten schon Monate vorher versucht eine Besuchererlaubnis zu bekommen, doch auch jetzt bleibt uns nur das Gelände von außen zu betrachten. Spontan beginnt die Gruppe Kontakt auf zu nehmen. Wir winken über den Zaun, Steffi spielt ein Lied auf der Flöte und dann kommen Sicherheitskräfte. Wir haben die Geflüchteten zu sehr aufgebracht heißt es.

 

Kunst überschreitet Grenzen und kann so einfach über Sprachbarrieren springen. Egal wo wir herkommen, als Menschen verstehen wir Körpersprache wie Tanz und Gesten. Die Gruppe sammelt eine Woche lang auf der Insel Inspiration. Tagsüber, in der Hitze, ist es kaum möglich sich zu bewegen. Doch wenn es kühler geworden ist besuchen schlendern wir über die lange Hauptstraße mit ihren vielen kleinen Geschäften. Die Menschen hier sprechen nicht über die Geflüchteten. Sie sind froh, dass nach der Flüchtlingswelle 2011 wieder Normalität einkehrt. Damals waren die Inselbewohner sehr hilfsbereit und haben in der Not geholfen. Doch sie sind angewiesen auf die Einnahmen aus dem Tourismus, welcher heute wieder gut funktioniert. Der Preis dafür ist die Ausgangsbeschränkung der Geflüchteten. Diese haben in der Saison im Auffanglager zu bleiben.

Porot M – Collage der Misere

Wir treffen uns mit der Szene von Porto M. Die Leute vom Askavusa Collective haben hier alle möglichen Dinge gesammelt, die von Schiffbrüchigen stammen und erzählen damit eine tragische Geschichte derer, die von der anderen Seite kommen. Diese Geschichte will auch unsere Gruppe erzählen. In einer abendlichen Performance-Aktion tanzen wir unter einem Fischernetz vorbei an den Gästen der Restaurants. Für einen kurzen Augenblick berühren sich zwei Welten, die nirgendwo sonst so nah nebeneinander existieren wie auf Lampedusa.

Mehr zum Projekt auf: dem Blog von Stefania Milazzo

Facebook

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

4 × 5 =