Die Zukunftsbahn fährt durch Dresden

Jetzt, in dieser Situation, dort, wo Du dich gerade befindest, nimm dir einen Augenblick Zeit für die folgende Frage:

Was wünschst Du dir für die Zukunft? Was ist deine Vision von deinem Leben, deinen Kindern und Enkeln in dieser Stadt?

Entsteht in deiner Phantasie ein anziehendes, motivierendes Bild oder schießt dir wie ein Blitz eine lebensfeindliche Dystopie in den Kopf? Jeder Mensch trägt ein Bild von der Zukunft in sich. 5 Stunden lang sammelten wir diese Bilder an den Fensterscheiben der Zukunftsbahn. Die Vielfalt und die Art der Antworten spiegelt wieder wie einzigartig die Perspektive eines jeden Menschen ist.

Unterschiedlichste Themen verbinden die Dresdener/innen mit der Zukunft: Beispielsweise fährt ein bestimmter Bus öfter; es gibt mehr Grün und mehr Tiere in der Stadt; weniger Müll im Alaunpark; mehr Ärzte; die Oberleitungen der Straßenbahnen sind aus dem Stadtbild verschwunden. Die Frage nach der Zukunft ließ die allermeisten Menschen in der Linie 2 jedoch an das gleiche Thema denken: Flüchtlinge. Zitat: „Dresden ist bunt, tolerant, offen, multikulti“. Auf der anderen Seite stehen Menschen mit Angst vor der Zukunft, Angst vor dem Untergang ihrer Stadt. Zitat: „Dresden gibt es nicht mehr…“ „Ich hab ja nichts gegen die Ausländer, aber es sind einfach zu viele.“ Das Dilemma dieser Menschen ist es selber keine Lösung für ihre realen Probleme zu finden. Wenn sie ihre Geschichte erzählen von Sportvereinen, die nicht mehr in ihrer Turnhalle trainieren können, weil dort jetzt Flüchtlinge schlafen, von Klassen, die über Nacht mit Kindern aus Flüchtlingsfamilien um das Doppelte aufgestockt werden, wenn diese Menschen sich trauen ihre persönliche Perspektive zu berichten, passiert etwas. Oft werden Alternativen sichtbar. Sie können sich dann vorstellen die Migranten, als Gesellschaft, besser zu integrieren; durch eine breitere Verteilung der Flüchtlinge zum Beispiel. Die Perspektive dieser Menschen ist so wertvoll, weil sie uns das Versagen der Politik klar vor Augen führt. Im Grunde sind es die Konservativen, die Bewahrenden unserer Gesellschaft. Zitat: “Ich will, dass es friedlich bleibt.“

Es wurde spürbar, wie gut es tut gehört zu werden, denn das ist in unserer Gesellschaft zu einer Ausnahme geworden. Jeden Tag erreichen uns unendlich vielen Informationen über die Nachrichtenkanäle. Was haben wir mit diesen Informationen zu tun? Mit mechanisch neutraler Stimme verbreiten Nachrichtensprecher mit jeder einzelnen Meldung nur mehr Angst. Die eingespielten Werbebotschaften packen uns bei unseren tiefsten Sehnsüchten und pflanzen uns Bedürfnisse ein, die wir nur durch den Konsum zu stillen versuchen. Brauchen wir wirklich all diese Informationen, die uns Dinge zeigen zu denen wir einen unklaren Bezug haben? Schnell ergeben sich Gespräche und es wird diskutiert über den Nahostkonflikt und über Waffenschieber, über Politiker und Steuerhinterziehung über Selbstmordanschläge und Flüchtlinge als wäre es ein Fußballspiel. Frustriert über die Ohnmacht, selbst etwas tun zu können schalten wir wieder zurück zur Werbung und kaufen noch ein Stück Kuchen mit Schokostreuseln. Die Ohnmacht ist wohl die stärkste Vision einer Wohlstandsgesellschaft, die diktiert wird von der Angst alles zu verlieren.

Medien können jedoch auch Menschen mit positiven Nachrichten inspirieren. Sie können Erfolgsgeschichten aus der eigenen Stadt erzählen und zum Gestalten des eigenen Lebens animieren. Sie können die unterschiedlichen Perspektiven der Menschen auf ihren gemeinsamen Lebensraum abbilden und zeigen welche individuellen Lösungen Sie auf lokaler Ebene gefunden haben, mit globalen Problemen kooperativ um zu gehen. Glauben Sie überhaupt daran, dass es solche Geschichten gibt? Wenn nicht dann können Sie sich bei stories-of-change.org vom Gegenteil überzeugen.

Warum entwickeln wir als gesamte Gesellschaft eigentlich keine große positive Vision, die uns vereint? Warum opfern wir eigentlich unsere Menschlichkeit und unsere eigenen Werte den kapitalistischen Marktgesetzen? Visionen sind schließlich nicht etwas abgehoben Esoterisches, was Schamanen unter Schüttelfrost erleiden. Sie sind Vorstellungen aus der Phantasie, frei von Fragen nach der Umsetzbarkeit. Visionen entstehen intuitiv durch die eigene Perspektive. Sie eröffnen uns die Handlungsspielräume, die wir für möglich halten. Dadurch gestalten wir unsere Welt. Eine präsente Vision kann uns so stark ausrichten, dass wir Dinge erreichen, von denen wir nie gewagt haben zu träumen.

Als Gesellschaft sitzen wir alle in der selben Zukunftsbahn.

Was ist deine Vision?

… die Aktion war Teil des Zukunftsstadtwettbewerbes der Stadt Dresden

…weiterer Artikel im Wochenkurier und im ARTS-Blog

 

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